Bericht aus der Hohenloher Zeitung vom 04.03.2020 zum Rückbau der Erich-Fritz-Halle

Stück Ortsgeschichte verschwindet

PFEDELBACH Rückbauarbeiten an der Erich-Fritz-Halle sind in vollem Gange

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Ein Rückbau beginnt von innen: Wochenlang waren große Container vor der Halle. Die einzelnen Stoffe werden getrennt und gegebenenfalls wiederverwertet.

 

Bagger für Bagger fährt aus der leeren Halle und befördert Glaswolle, Holz und Stahl nach draußen in verschiedene Container oder direkt in den Schredder. Wo einst Scheiben waren, klaffen große Lücken. Bald ist die Erich-Fritz-Halle Geschichte.

Seit vergangenem Freitag geht es an die Fassade. Die Arbeiten drinnen, für den Beobachter kaum sichtbar, ziehen sich schon seit mehreren Wochen. „Von Abriss spricht man heutzutage nicht mehr, sondern von Rückbau“, erklärt Brigitte Niesing, Leiterin des Pfedelbacher Bauamts. Viel zu aufwendig sind die Arbeiten rund um Schadstofferentsorgung und Wiederverwertung.

Rückblick: Vor drei Wochen. Ein rauer Wind pfeift auf dem Pfedelbacher Platz. Werner Braun ist Fachmann fürs Abreißen. Ein sogenannter Rückbau in der Größe ist Routinearbeit für den erfahrenden Unternehmer. Er erklärt: Vor dem Bagger kommt immer ein Blick auf die Pläne. Uli Nuber, Wolfgang Giebisch und Peter Häfele sind die Männer für die Technik und diskutieren über Strom, Wasser und Gasanschluss. „Vor allem wenn noch ein Gebäude dranhängt, muss man aufpassen“, erklärt Nuber. Andernfalls ist die Devise abschneiden und die Enden verschließen. Und der erste Schritt sei ohnehin immer „Strom und Gas abstellen“, sagt Braun. „Dem Baggerfahrer kann in seinem Fahrzeug nichts passieren, aber unter Umständen ist dann in einer Straße der Strom weg.“ Alles schon passiert und oft gar nicht die Schuld des Fahrers, meint Braun.

Werkzeug Meisel, Abbruchschere und ein Pulverisierer gehören zum Werkzeug des Teams. Sechs Mann sind auf der Baustelle, zwei kleine Bagger, ein 1,6 Tonnen Bagger und zwei Lader. Den vermeintlichen Abfall zu recyclen, gewinnt auch bei Abrissarbeiten mehr und mehr an Bedeutung. Plastikleisten, Stromkabel oder der Wertstoff Kupfer, alles wird getrennt. Rund zwei Monate habe man für den Rückbau angesetzt. Derzeit liege man im Zeitplan. In der Halle sind viele Problemstoffe verarbeitet. Das sei der Hauptgrund, warum der Rückbau eine Zeit dauert. Die Gemeinde hat im Vorfeld für rund 10 000 Euro verschiedene Gutachten erstellt, die untersuchen, welche Schadstoffe sich in der Halle befinden. Asbest beispielsweise ist in den Farben enthalten. Die Sicherheit der Arbeiter ist dabei wichtig. Glaswolle darf zum Beispiel nur mit einem Schutzanzug entnommen werden. Insgesamt sind 40 Tonnen Asbest und zwischen 60 und 80 Tonnen Stein weggefahren. Die Kosten für den Abriss insgesamt liegen bei 140 000 Euro. Etwas wehmütig blicken die Pfedelbacher dennoch auf die Betonreste. Über 60 Jahre wurde in der Halle gefeiert, getagt und gerockt.

Seit drei Jahren findet alles in der Nobelgusch statt, die Erich-Fritz-Halle ist seitdem Umkleidekabine für die Sportler des TSV. Ein Erhalt der Halle habe sich einfach nicht rentiert. „Oft hätten sich die Ansprüche auch geändert“, sagt Niesing. Beton wird zum Teil geschreddert und kann wiederverwertet werden. Ein Stück der Erich-Fritz-Halle werde so noch in dem neuen Gebäude drin bleiben, meint Niesing. Und das soll bald kommen. Der TSV steht in den Startlöchern für den Bau seiner neuen Umkleiden.

 
 
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Entrümpeln lautete das Stichwort am Anfang. Holztheke, Schränke und Tische kamen Baggerschaufel für Baggerschaufel nach draußen.

 
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Bisher war von außen nur wenig zu sehen. In diesen Tagen wird die Fassade des 60 Jahre alten Bauwerks eingerissen.

Fotos: Stefanie Jani

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