Hohenloher Fußball-Szene zwischen Verständnis und Bedauern

Den Fußballern wird das Licht erstmal ausgeknipst. Für mindestens vier Wochen ruht der Ball. Voraussichtlich dürfte damit aber schon jetzt die Winterpause eingeläutet sein. (Foto: Marc Schmerbeck)

Ein Bericht aus der Hohenloher Zeitung von Marc Schmerbeck vom 30.10.2020 zur Unterbrechung der Fußballsaison

 
Verständnis hier, Ungläubigkeit dort: Die Saison der Amateurkicker wird schon vor diesem Wochenende für mindestens vier Wochen unterbrochen.

 

Nachdem die Fußballspiele im Bereich des Württembergischen Fußballverbandes bereits für dieses Wochenende abgesagt wurden, gibt es in Hohenlohe unterschiedliche Reaktionen. Denn eines ist auch klar, die Mannschaften wurden damit faktisch ohne große Vorwarnung vorzeitig in die Winterpause geschickt. Einige hätten dieses Wochenende deshalb gerne gespielt.

Martin Kleinschrodt: Am Mittwochabend war Hollenbachs Trainer Martin Kleinschrodt noch davon ausgegangen, dass am Wochenende gespielt wird. Zu Gast wäre der VfB Friedrichshafen gewesen. „Die Jungs muss ich dafür gar nicht motiviere. Wenn die wissen, dass es wohl das letzte Spiel in diesem Jahr ist, sind sie heiß und wollen nochmal ein gutes Spiel zeigen.“ Diese Chance haben sie nun nicht. Am Donnerstag war er sehr überrascht und nicht gerade erfreut über die Absage für das Wochenende. Nicht nur er hätte gerne noch einen vernünftigen Abschluss vor dem Lockdown gehabt.

Ralf Bantel: Anders reagierte der Hohenloher Bezirks-Vorsitzende. „Ich finde es richtig, dass der Spieltag nicht mit aller Gewalt durchgezogen wird“, sagt der Bezirksvorsitzende Ralf Bantel. „Ich habe die Entscheidung erwartet und auch damit gerechnet. Alle, die einen Heimspieltag hatten, werden jetzt natürlich etwas dafür bestraft, weil sie bereits einen organisatorischen Aufwand hatten.“ Aber es gab schließlich auch die Appelle der Bundes- und Landesregierung, alle nicht notwendigen Kontakte bereits jetzt zu vermeiden und nicht erst ab Montag. „Wir sind ja teilweise selbst Schuld, weil sich ein Teil nicht an die Vorgaben hält“, sagt Bantel. „Würden sich alle daran halten, hätten wir diese Situation jetzt nicht.“

Marc Hofacker: Ähnlich sieht es Marc Hofacker, der stellvertretende Fußball-Abteilunsgleiter des TSV Pfedelbach. „Wir haben es uns schon fast gedacht, dass der WFV da nicht in der Verantwortung stehen will, sollte es am Wochenende auf irgendeinem Sportplatz Ansteckungen geben. Das würde den Verband schon in die Bredouille bringen.“ Die Pfedelbacher Landesliga-Mannschaft hätte am Wochenende ein Heimspiel gehabt. Der organisatorische Aufwand ist bereits gemacht – nun umsonst. „Das Stadionheft ist bereits gedruckt und abholbereit, Würste und Getränke sind bestellt“, sagt Hofacker, ohne aber zu klagen. „Das ist jetzt eben so. Die Gesundheit geht vor. Und ich bin fast froh, dass es jetzt vorbei ist. Gerade wenn ich sehe, was beim Nachholspiel unserer zweiten Mannschaft am Mittwoch ablief.“ Er meint damit in erster Linie das Verhalten einiger Zuschauer. „Wenn ich das sehe, kann ich die Entscheidung nachvollziehen“, sagt Hofacker.

Beim Kreisliga-A1-Spiel gegen Gaildorf gab es die klare Vorgabe, dass entweder 1,5 Meter Abstand eingehalten werden soll oder eben eine Maske getragen werden muss, wenn das nicht möglich ist. „Das hat niemanden interessiert. Vor allem einige Gästefans nicht“, ärgert sich Hofacker. „Die haben ihre Masken aufgezogen, als ich sie als Ordner aufgefordert habe und als ich vorbei war, wieder abgesetzt. Selbst als wir die, die sich nicht daran gehalten haben, aufforderten, das Gelände zu verlassen, wurden wir belächelt. Man kann die Leute ermahnen und sie hören es nicht. Da werden Regeln teilweise mit Füßen getreten.“

Wohl gemerkt, Regeln, die nicht unbedingt aus den Vereinen, sondern von den Behörden kommen. „Es war dann sogar eine Polizeikontrolle vor Ort“, schildert Hofacker. „Dann wurden die Masken schnell aufgesetzt. Zumindest solange die Polizisten im Stadion waren. Da braucht man sich dann nicht über strengere Vorgaben oder einen Lockdown wundern.“ Und bezogen auf den möglichen weiteren Verlauf der Saison sagt er: „Im Nachhinein muss man sagen, der Bayerische Fußball-Verband hat es richtig gemacht, dass er jetzt die Rückrunde der vergangenen Saison spielt. Bei denen ist so nur eine Saison kaputt. Bei uns wohl zwei.“

Michael Carle: Der Abteilungsleiter der TSG Öhringen sieht die Entscheidung grundsätzlich als richtig an. „Sonst wäre die Verantwortung wieder in unsere Hände oder die des Verbandes gelegt worden. Und keiner will sich hinterher etwas vorwerfen lassen.“ Die Öhringer Landesliga-Kicker hätten heute Abend bereits die SG Sindringen/Ernsbach empfangen. „Es ist einfach eine schwierige Situation.“

Tobias Strothmann: Auch der Coach der SG Sindringen/Ernsbach reagierte mit Verständnis auf die Absage. „Es war ja eine 50:50-Chance, dass nochmal gespielt wird“, sagt Tobias Strothmann. „Persönlich hätte ich schon nochmal gerne gespielt. Aber die Entscheidung ist sinnvoll und logisch. Warum soll man bis Montag warten, wenn schon jetzt die Zahlen so hoch sind und man einen Lockdown benötigt, um sie wieder in den Griff zu bekommen. Da sollte man die Leute doch am Wochenende nicht nochmal auf den Sportplatz lassen.“