Bericht aus der Hohenloher Zeitung über unseren ehemaligen Jugendspieler Steffen Kocholl

Ein Hohenloher und seine 26 Minuten für die Ewigkeit

Fußball  Vor 20 Jahren hat der Pfedelbacher Steffen Kocholl sein einziges Bundesligaspiel für den VfB Stuttgart bestritten. Seit einem Jahr Reha-Trainer im Nachwuchsleistungszentrum des VfB Stuttgart.

Ein Hohenloher und seine 26 Minuten für die Ewigkeit
Zwanzig Jahre später arbeitet der 38-jährige Pfedelbacher als Rehatrainer für die U?17, U?19 und U?21 im Nachwuchsleistungszentrum des VfB Stuttgart. Hier verbindet Kocholl Fachwissen mit Leidenschaft.

Es gibt sie, diese Momente, die sich im Gedächtnis festsetzen. „Das erste Spiel vergisst man nie“, sagt Steffen Kocholl. Vor rund zwei Jahren war die Erinnerung besonders präsent – als er auf der Tribüne des Münchner Stadions saß. Bei einem Metallica-Konzert. „Da dachte ich daran, wie ich knapp 20 Jahre vorher auf dem Feld stand und jetzt das erste Mal wieder hier bin“, sagt Kocholl.

Am 30. September 2001, vor exakt 20 Jahren, absolvierte er im Olympiastadion sein erstes und einziges Bundesligaspiel. Im Trikot des VfB Stuttgart stand Steffen Kocholl in der 64. Minute neben Trainer Felix Magath und wartete auf seine Einwechslung. Er ersetzte Bradley Carnell. „Da brennt man schon, versucht das Drumherum auszublenden und will Gas geben. Obwohl es schon 3:0 stand und wir ein Mann weniger waren“, erinnert sich Kocholl. „Das ist noch recht präsent. Trotz der langen Zeit.“

Zweikämpfe mit Roque Santa Cruz

Der Defensivmann bekam es vor allem mit Roque Santa Cruz zu tun, der für Hasan Salihamidzic kurz nach Kocholl aufs Feld gekommen war. Und als das 4:0 (90.) der Münchner durch Paulo Sergio fiel, spürte er doch die Atmosphäre, als er den Blick schweifen ließ. „Das ist schon eine Riesenschüssel. Beeindruckend. Ich habe ja vorher noch nie vor so vielen Zuschauern gespielt. Als das Tor gefallen ist, dachte ich, hoppla, was ist denn hier los. Da habe ich erst die Kulisse bewusst wahrgenommen“, erzählt Steffen Kocholl. „Das war ein schönes Wochenende, denn danach gab es noch einen Wiesnbesuch zusammen mit der Mannschaft.“

Bis vor etwa einem Jahr wurde Kocholl noch in der Top Ten der jüngsten Bundesligaspieler des VfB geführt, inzwischen ist er auf Rang 18 abgerutscht. 18 Jahre, vier Monate und 20 Tage war er damals alt. Samstags spielte er noch eine Halbzeit für die U 19. „Unser Betreuer hat uns danach nach München chauffiert, weil die Profi-Mannschaft schon vorher angereist ist“, sagt der Pfedelbacher. Sonntags durfte er 26 Minuten lang Bundesligaluft schnuppern. Seine einzigen in der Erstklassigkeit.

Den Sprung in den Profibereich hat Kocholl nicht geschafft

Ein Hohenloher und seine 26 Minuten für die Ewigkeit
Am 30. September 2001 läuft Steffen Kocholl im VfB-Trikot gegen den FC Bayern München auf und versucht in dieser Szene, Roque Santa Cruz (links) den Ball abzunehmen.

Fotos: imago images/Hansi Britsch

„Ich war damals zur richtigen Zeit am richtigen Fleck. Die Profis hatten auf meiner Position viele Verletzte oder Gesperrte. Man muss es nüchtern und realistisch sehen. Es kam viel zusammen, dass sie auf uns zurückgegriffen haben. Da braucht man sich nicht zu viel drauf einbilden.“ Aus der großen Profikarriere wurde aber nichts.

Den Sprung von der zweiten Mannschaft in den Bundesliga-Kader schaffte er nicht. 2005 wechselte Kocholl zu Preußen Münster in die Regionalliga Nord, ein Jahr später zum SSV Reutlingen in die Regionalliga Süd. „Als wir die Qualifikation zur 3. Liga, die neu eingeführt wurde, nicht geschafft haben, habe ich den Strich gezogen, wollte nicht mehr nur auf den Fußball setzen“, sagt der heute 38-Jährige.

Karriereende 2013 in der Landesliga beim Tura Untermünkheim

In Waldenburg begann er eine Ausbildung zum Sport- und Gymnastiklehrer, spielte in Crailsheim in der Oberliga. Seine Karriere beendete Kocholl 2013 beim Tura Untermünkheim in der Landesliga. „Ich bin total mit mir im Reinen, ich habe es probiert“, sagt er. „Und das Spiel gegen München nimmt mir keiner mehr.“ In der U 12 wechselte er 1993 nach Stuttgart, durchlief dort die Jugendmannschaften, wurde Junioren-Nationalspieler und absolvierte 15 Länderspiele (U 15 bis U 19). Bei einem großen Turnier war er allerdings nie dabei. „Als ich ins Internat bin, war es der erste Jahrgang in einer Partnerschule des Sports, die mittlerweile etabliert sind“, sagt Kocholl, der den VfB als seinen Heimatverein ansieht.

Beruf, Steckenpferd und Leidenschaft verbunden

Der Kontakt zum VfB ist nicht abgebrochen, als er anderswo spielte. Und so fand er dort auch seine berufliche Heimat. „Ich wollte etwas machen, das mir Spaß macht“, sagt Kocholl. Und das tut es auch.

Seit einem Jahr arbeitet er im Nachwuchsleistungszentrum des VfB, ist Rehatrainer für die U 17, U 19 und U 21. „Ich fühle mich sehr wohl. Ich kann fachliches Wissen mit meinem Steckenpferd und meiner Leidenschaft verbinden. Das ist schön. Vielleicht war es im Nachhinein genau richtig für mich, dass wir mit Reutlingen die Qualifikation zur 3. Liga nicht geschafft haben.“

Hohenloher Fußball-Ergebnisse immer im Blick

Davor arbeitete er bei der VfB Reha-Welt, die jedem offen steht, später hatte er eine geteilte Stelle. Einer seiner Kollegen bei der Reha-Welt war der Pfedelbacher Stürmer Marco Rehklau. „Durch ihn bin ich top informiert“, sagt Kocholl, dessen Blick am Wochenende auch immer über die Hohenloher Ergebnisse schweifen. „Es freut mich, wenn Hohenloher Clubs höherklassig spielen. Zu meiner Zeit war es ja eher ein schwächerer, toter Kreis. Durch Hollenbach hat sich das enorm geändert, da die eine sehr gute Jugendarbeit machen.“

Nicht von ungefähr stammt mit Lilian Egloff ein hoffnungsvolles VfB-Talent aus Hohenlohe. Ein Bundesligaspiel im Olympiastadion wird Egloff aber nicht absolvieren, da die Münchner ihre Spiele seit 2005 in der Allianz Arena bestreiten.